Arthrose
Unter Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkserkrankung, die zu einem krankhaften Verschleiß der Gelenke führt. Dieser Vorgang ist nicht heilbar, kann aber verlangsamt oder sogar gestoppt werden.
Grundsätzlich können alle Gelenke von Arthrose betroffen sein. Hauptsächlich sind das aber die besonders beanspruchten Gelenke, wie Huf-, Kron-, Fessel-, Sprung- und Vorderfußwurzelgelenk.
Die Hauptformen von Arthrose sind Spat, Schale und Hufrollenentzündung.
Aufbau eines GelenksDas einfache Gelenk besteht aus zwei Knochen, die so geformt sind, dass sie genau zueinander passen, wobei einer der beiden Knochen als Gelenkpfanne fungiert und der andere als Gelenkknopf. Sie werden von einer Knorpelschicht umzogen, die als Puffer bzw. Stoßdämpfer dient. Die Gelenkpfanne umschließt den Gelenkknopf derartig, dass eine maximale Stabilität bei möglichst geringer Reibung entsteht. Die Knochen sind mit der Knochenhaut überzogen. Die Gelenkschmiere dient zur Federung, Schmierung und Ernährung der Gelenkknorpel. Damit diese nicht ausläuft, wird sie von einer bindegewebsartigen Haut umzogen. Schließlich halten div. Bänder die Knochen von außen in der richtigen Lage.
Das zusammengesetzte Gelenk ist zwar etwas komplizierter aufgebaut, die Bestandteile sind aber grundsätzlich dieselben.
Ursachen für eine Schädigung der GelenkeDie Ursachen, die zur Schädigung eines Gelenks führen können sind sehr vielfältig. Oft beginnt dies schon in der Zucht, wenn Pferde mit Stellungs- oder Gebäudefehlern zur Zucht herangezogen werden.
Eine schlechte Versorgung der Stute während der Tragzeit mit Nährstoffen, Mineralien oder Spurenelementen kann dazu führen, dass die Gelenke des Fohlens schlecht ausgebildet werden und zu einer Fehlstellung führen. Aber auch eine zu mastige Ernährung der Stute kann hierzu führen.
Eine falsche Fütterung des Fohlens durch zu viel Kraftfutter oder zu wenig Nährstoffen, Mineralien oder Spurenelementen führt oft zur Schädigung der Knorpel.
Aber auch eine fehlende Gymnastizierung, eine nicht artgerechte Haltung mit genügend Bewegungsmöglichkeiten, mangelnde Hufpflege durch fehlende Korrektur von Stellungsfehlern oder zu lange Beschlagsintervalle, eine Überbelastung der Gelenke, Gelenksverletzungen durch Schläge und Stöße, unbehandelte Knorpel-Knochen-Loslösungen (Chips) oder Stoffwechselstörungen können zu Gelenksentzündungen oder Ablagerungen in den Gelenksbereichen führen.
SymptomeBesonders bei feuchtem und kaltem Wetter treten die typischen Symptome für Arthrose auf:
- Das Pferd möchte nicht vorwärts gehen
- chwungloser Gang
- steife Bewegung
- unreiner Takt
- enge Wendungen und Halten werden zum Problem
- häufiges Stolpern
- Schwierigkeiten bei Unebenheiten und beim Bergauf- oder Bergabreiten
- Knacken im Gelenk
- Unwille des Pferdes sich hinzulegen
- Probleme beim Hufgeben
- Lahmheiten
- Einknicken im Gelenk
- Muskelverspannungen im Rücken, da das Pferd auf den Schmerz durch Anspannung der Muskeln reagiert
Arthrose entwickelt sich sehr schleichend und ist anfangs nur schwer erkennbar, da oft noch keine Symptome sichtbar sind.
VerlaufMedizinische Sicht
Wie bereits beschrieben können die verschiedensten Ursachen zu einer Schädigung des Gelenkknorpels und damit zu einer erhöhten Reibung führen. Eine erhöhte Reibung führt wiederum erneut zu einer weiteren Schädigung des Knorpels. Ein Teufelskreislauf beginnt. Der Körper versucht der Schädigung durch Zubildung von Knochengewebe entgegenzuwirken, die sog. Exostosen entstehen. Dies führt zu einer zunehmenden Versteifung des Gelenks. Zunächst entstehen Entzündungen im Gelenk, das Pferd bekommt starke Schmerzen, beginnt zu lahmen. Ist das Gelenk vollständig versteift, verschwindet der Schmerz und die Entzündungen gehen zurück. Die Lahmheit aber bleibt bestehen. Man spricht hier dann von einer mechanischen Lahmheit aufgrund der Versteifung der Gelenke.
Auch Arthritis, eine schubweise verlaufende entzündliche Gelenkserkrankung greift die Knorpelflächen im Gelenkinneren an und führt mit der Zeit zur Arthrose. Die Grenzen zwischen Arthritis und Arthrose sind leider nicht immer scharf zu ziehen.
Sicht des Heilpraktikers
Für den Heilpraktiker ist der Grund für Arthrose nicht die Degeneration oder Überbelastung, sondern eine Stoffwechselstörung aufgrund einer Verschiebung des Säure-Basen-Haushalts hin zu einer Übersäuerung des Körpers. Die Folge ist eine Störung des vegetativen Nervensystems, die zu einer Überfunktion des Sympathikus führt. Dieser fungiert hauptsächlich in Situationen der Flucht oder im Kampf, indem er die Atmung und den Herzschlag erhöht, die Blutgefäße erweitert und dabei aber die Verdauungstätigkeiten und die Blasenfunktion herabsenkt. Dadurch wird der Körper ein eine erhöhte Entzündungsbereitschaft gebracht und die lymphatische Abwehr geschwächt. Bereits kleine Auslöser können jetzt zur Entstehung von Entzündungen im Gelenk führen.
DiagnoseZur Diagnose sollte auf jeden Fall eine klinische Untersuchung stattfinden. Hierbei wird eine Beugeprobe bzw. eine Brettprobe durchgeführt. Außerdem kann eine Leitungsanästesie sinnvoll sein, bei der bestimmte Bereiche betäubt werden und somit das betroffene Gelenk genau identifiziert wird.
Weitere Möglichkeiten sind Röntgenaufnahmen, Arthroskopie (Gelenkspiegelung), Computertomographie, Kernspintomographie oder Ultraschall.
BehandlungArthrose ist leider nicht heilbar. Lediglich der Verlauf kann verlangsamt oder gestoppt werden. Hierzu werden zunächst Entzündungshemmer verabreicht, wie Equipalazone, Finadyne oder Apirel sowie Mittel zur Regeneration der Knorpel (Hylartil, Adequan usw.). Hierbei ist allerdings zu beachten, dass bei längerer Anwendung unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können, v. a. Störungen des Verdauungsapparats, Magengeschwüre etc. Daher empfiehlt es sich, längerfristig auf Alternativen aus der Natur zurückzugreifen. Bestimmte Kräutersorten haben sich bei der Anwendung gegen Arthrose schon als sehr wirkungsvoll erwiesen: Löwenzahn regt den gesamten Stoffwechsel an, Brennesseln sind sehr mineralstoffreich, Mädesüßblätter wirken entzündungshemmend und auch die Teufelskralle erzielte in Versuchen ähnlich gute entzündungshemmende und schmerzlindernde Resultate wie Phenylbutazon. All diese Kräuter finden sich zum Beispiel in den Kräutermischungen Fit und Aktiv sowie Gelenk-Power Extra wieder. Diese Kräutermischungen haben also eine entzündungslindernde und heilungsfördernde Wirkung und tragen somit dazu bei, die Arbeitsfreude und Leistungsfähigkeit der Pferde zu fördern.
Grundsätzlich ist aber Vorbeugung die beste Behandlung. Es ist schon bei Kauf und Zucht äußerste Vorsicht geboten. Pferde sollten stets möglichst artgerecht, d. h. mit genügend Bewegungsmöglichkeiten gehalten werden. Eine Versorgung mit Nährstoffen, Spurenelementen und Mineralstoffen in der Aufzucht ist besonders wichtig, genauso wie eine gute Hufpflege von Anfang an. Fehlstellungen sollten möglichst früh und behutsam korrigiert werden. Ein regelmäßiger Beschlagsintervall alle 6 – 8 Wochen sollte eingehalten werden. Eine Überforderung bzw. Überbelastung des Pferdes ist zu vermeiden. Vor der eigentlichen Arbeit sollte das Pferd lange genug warmgeritten werden. Außerdem ist auf gelenkschonendes Reiten zu achten, d. h. kein abruptes Halten oder zu enge Wendungen.