Anaemie

Die Butarmut, lat. Anaemie, schwächt das Pferd, Lebenslust und Teilnahme am gewohnten Umfeld sind reduziert. Es kann nicht mehr die übliche Leistung erbringen, auch werden die Pferde mit dieser Erkrankung deutlich schneller müde.

Die Schleimhäute sind trocken und blass, manchmal auch gelblich verfärbt, es fehlt die gesunde „rosafarbene“ Tönung. Bei manchen Tieren ist der Puls sehr schwach, man kann ihn oft nicht mehr fühlen, dies geht jedoch dafür mit einer Erhöhung der Pulsfrequenz einher. Der Herzschlag ist dann deutlich über den normalen 30 – 44x pro Minute. Nachdem diese Pferde deutlich schlechter belastbar sind, geht ihnen schnell auch die Puste aus, so dass die Atemfrequenz deutlich ansteigen kann. Der Normalwert beim gesunden Pferd liegt bei 10 – 20 Atemzüge Pro Minute, anämische Pferde liegen oft darüber. Viele Pferde wirken unruhig, leiden unter Muskelzittern und Schweißausbrüchen, wobei die Körpertemperatur absinken kann. Ebenfalls ist eine Dunkelfärbung des Urins als auch des Kots möglich. Ebenso können Blutungen an der Haut, Schleimhaut oder sogar an Organen auftreten.

Eine Änaemie ist dann gegeben, wenn im Blut der Pferde das sogenannte Hämoglobin um mehr als 15 % unter den Normalwert sinkt. Das Hämoglobin ist der sog. rote Blutfarbstoff und ist für den Sauerstoff-Transport zuständig. Dadurch, dass nicht mehr genügend Sauerstoff transportiert werden kann, werden die Organe unterversorgt, viele Körperfunktionen sind stark beeinträchtigt – das erklärt auch, warum erkrankte Pferde so geschwächt sind und keine Leistung mehr erbringen können.

Warum nimmt aber der Hämoglobin-Gehalt im Blut ab? Der Blutfarbstoff ist an die sog. roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, gebunden. Sinkt die Zahl der roten Blutkörperchen, so sinkt auch die Zahl des Hämoglobins. Eine gleich bleibende Erythrozyten-Zahl schließt jedoch eine Unterversorgung auch nicht aus, denn das Hämoglobin des einzelnen roten Blutkörperchens kann auch sinken – was dann ebenfalls die Sauerstoff-Unterversorgung zur Folge hat.

Oft ist die Blutarmut einfach eine Folge von Erkrankungen, Verletzungen oder auch Unfällen. Gerade beim Verlust von großen Blutmengen infolge einer Verletzung von größeren Adern oder Venen kann sehr rasch eine sog. akute Blutungsanaemie eintreten, die der sofortigen tierärztlichen Behandlung bedarf. Auch durch innerliche Blutungen können Pferde sehr rasch große Mengen verlieren. Die sogenannte akute Blutungsanaemie ist immer ein Notfall, weil bei einem raschen Verlust von acht oder gar mehr Litern Blut akutes Kreislaufversagen und Tod drohen.

Der von Naturheilpraktikern recht gern angewandte sog. „Aderlaß“ kann so manchem Pferd ebenfalls eine Anaemie einhandeln, Faustregel : Nicht mehr als max. 20m ml Blut pro Kilogramm Körpergewicht. Über die Notwendigkeit eines Aderlasses sollte jedoch immer der Tierarzt entscheiden, da bei unnötig durchgeführten Aderlaß das Pferd eher zusätzlich geschwächt wird – eben durch den gewollt herbeigeführten Blutverlust.

Schwieriger wird die Ursachenfindung bei Anaemien, die aus kleineren und langsamen Blutverlusten, die sich über Tage hinziehen können. Hier können die Ursachen vielfältig sein. Oft ist eine Durchlöcherung der Blutgefäßwände, hinter der wandernde Wurmlarven oder andere Parasiten, aber auch Krebsgeschwüre oder Magen-Darm-Geschwüre stecken können. Insbesondere Pferde, die oft unter Stress stehen, sei es durch Turniere oder in der Herde oder andere Ursachen, leiden an Magen-Darm-Geschwüren, die häufig bluten – so kann im Laufe der Zeit eine Anaemie entstehen. Auch Steine in der Harnblase, die die Schleimhäute in der Blase oder der Harnröhre verletzten können, führen zu Blutungen. In diesen Fällen ist dann der Urin oft hellrot verfärbt.

Ein Befall des Luftsacks mit Pilzen kann eine Verzweigung der Halssschlagader so schädigen, dass dadurch heftiges Nasenbluten ausgelöst werden kann.

Bei rascher und fachgerechter Behandlung sind die meisten Anaemien gut in den Griff zu bekommen, solange die eigentliche Ursache der Blutarmut noch nicht chronisch ist. Anderenfalls leiden Pferde dann auf Dauer unter schwacher Kondition und eingeschränktem Leistungsvermögen.

Je nach Ursache ist die Dauer der Therapie bei einer Blutarmut sehr unterschiedlich. Eine akute Blutungsanaemie ist schon nach einigen Tagen überwunden, wenn die verlorengegangene Blutmenge durch Transfusionen ersetzt wurde und die Werte wieder normal sind. Die Anaemie in Begleitung von infektiösen Erkrankungen wie z. B. der Druse dauert oft zwei bis drei Wochen und länger.

Eine regelmäßige Entwurmung des Pferdes kann vor chronischen Blutungsanaemien schützen. Die ausreichende Versorgung mit Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Eisen, beugt Mangelanaemien vor. Hier ist eine ausgewogene Fütterung im Normalfall ausreichend.

 

Ataxie

Unter Ataxie fallen viele Begriffe, die alle mit gestörten Bewegungsabläufen zu tun haben. Oft geht diese Störung auch mit einer fehlenden Koordination der Bewegungen einher. Manche Pferde sind dann nicht mehr in der Lage, normal zu stehen, mit Fortschreiten der Krankheit werden sie immer „instabiler“. Damit die Balance gehalten werden kann, spreizen diese Pferde die Beine oft weit auseinander.

Nicht selten führt diese Bewegungsstörung zu Stürzen, z.B. bei unerwarteten Geräuschen oder andere fremde Reize. Auch ein plötzliches Einbrechen der Hinterhand kommt vor. Die Neigung zu Stürzen wird durch Bewegung sogar noch erhöht. Normales Anhalten, selbst aus dem Schritt, sind für solche Pferde höchst schwierig. Rückwärtstreten ist oft sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Hier kann beim Versuch, dies einem Pferd abzuverlangen, ein Überschlagen nach hinten nicht ausgeschlossen werden.
Ein weiteres Merkmal sind gänzlich fehlende oder stark eingeschränkte Hautreflexe. Ataxie-Patienten reagieren nur verzögert auf Berührungen mit spitzen Gegenständen, wo gesunde Pferde ein deutliches Zucken zeigen. Die Halswirbelsäule kann meist nicht mehr bewegt werden.

Die meisten Ataxieformen verlaufen jedoch weniger drastisch und zeigen sich nur gestörte Abläufe in der Gangmotorik. Auch das Tempo der Bewegungen bleibt bei der Ataxie nicht gleich, manchmal bewegen sich die Pferde viel zu langsam im zeitlupenartigen Tempo oder sie zeigen völliges übereiltes Gangverhalten. Durch die fehlende Koordinationsarbeit der Beine stolpern sie sehr häufig und stoßen sehr leicht gegen Hindernisse.

Manche Pferde können dann nicht einmal mehr eine gerade Strecke gehen oder verfehlen ihren Wassereimer oder den Futtertrog.

Es wird zwischen der spinalen Ataxie, der cerebralen und cerebellaren Ataxie unterschieden. Weit verbreitet ist die spinale Attaxie, die von der Halswirbelsäule ausgeht. Bei der cerebralen Attaxie dagegen ist die Ursache im Groß-, Zwischen- oder Mittelhirn zu suchen. Störungen im Kleinhirn verursachen mangelnde Bewegungskoordination und bedingen die cerebellare Ataxie.

Verletzt sich das Pferd die im Halswirbelkanal verlaufenden Nervenstränge und werden diese nachhaltig geschädigt, entstehen dadurch Probleme mit der Koordination der Hinterbeine. Diese Nervenbahnen liegen außen und können so bei Unfällen leicht geschädigt werden.

Alte Pferde leiden oft an einer Arthrose der Halswirbelgelenke. Durch das Anschwellen kommt es dann zu Quetschungen mit Schädigungen an den Nerven. Die Ursache muß jedoch nicht immer im abnutzungsbedingten Verschleiß liegen, oft zeigen sich auch Risse oder gar Brüche im Bereich der Halwirbelsäule, die dann später zur Arthrose führen. Risse oder Brüche können bei Streitereien in der Herde genau so auftreten wie beim Sturz durch Toben oder Reiten und verursachen dann die Probleme, weil das empfindliche Halsmark geschädigt wurde.

Die cerebrallen und cerebellaren Formen, die ja primär vom Gehirn ausgehen, werden oft durch schwere Kopfverletzungen verursacht. Auch Infektionen mit Viren wie z. B. dem Herpes-Virus EHV 1 können eine Rolle spielen. Auch eine Erkrankung wie die Borreliose, dessen Erreger, das Bakterium Borrelia burgdorferi, kann das Gehirn als auch das Rückenmark schädigen. Die Ataxie kann auch Folge von Vergiftungen sein, da viele giftige Stoffe die Nerven schädigen wie z. B.Vergiftungen mit Goldregenblüten, Buchsbaumblätter etc.

Grundsätzlich kann jedes Pferd an Ataxie erkranken. Weichteilerkrankungen an der Halswirbelsäule treten jedoch oft bei Fohlen und jüngeren Pferden auf, arthrotische Veränderngen findet man meist nur bei älteren Tieren. Der Beginn einer Ataxie kann oft nicht genau definiert werden – sie schleicht sich ein. Bei bestimmten Erkrankungen wie Gelenkzysten oder Gelenkgallen zeigen sich erste Symptome in Form von Bewegungsstörungen oft sogar erst nach Monaten. Sind die Symptome jedoch erst einmal eindeutig da, verschlechtert sich der Zustand oft sehr rasch. Im Endstadium sterben die Pferde.

Die meisten Ataxien machen die Pferde oft unreitbar. Oft ist die Erkennung einer Ataxie auch für den Tierarzt schwierig, da sie oft mit Symptomen einer einfachen Lahmheit einhergeht – die Symptome der Erkrankung sind oft noch zu schwach ausgeprägt. Durch Überprüfen der Hautreflexe und andere Untersuchungen kann man zwar oft den Verdacht eingrenzen, sind die Symptome jedoch noch zu schwach, kann hier keine eindeutige Aussage getroffen werden. Eine endgültige Diagnose erhält man nur durch die Untersuchung des Rückenmarkskanals, in dem ein Kontrastmittel in diesen eingespritzt wird. Beim Röntgen können dann so krankhafte Veränderungen sichtbar gemacht werden. Dieses Verfahren nennt man Myelographie. Meist wird dann anschließend noch eine Computertomographie durchgeführt. Dadurch erhält der Tierarzt wertvolle Informationen über die Heilungsmöglichkeit des kranken Pferdes. Darum sind diese beiden Untersuchungen so wichtig. Bei vielen Ataxie-Pferden entschließen sich die Besitzer, meist leider viel zu schnell, die Pferde einschläfern zu lassen. Insbesondere junge Pferde werden schnell aufgegeben. Gerade die Weichteilerkrankungen, die oft junge Pferde haben, haben auch meist die beste Prognose. Gerade bei diesen Patienten kann mit einfachen entzündungshemmenden und abschwellenden Medikamenten, die den Druck von der Halswirbelkanal nehmen, gut geholfen werden. Bei den arthrotischen Veränderungen muß operiert werden, diese kostet zwischen 2500,0 und 3500,00 EUR. In dieser Operation wird dann das kranke Halswirbelgelenk versteift.

Gerade durch Virus- oder Bakterininfektion ausgelöste Ataxie kann man durch Auskurierung der ursächlichen Erkrankung therapieren – meist mit sehr gutem Erfolg. Bei der spinalen Ataxie hingegen ist oft nur mehr eine Linderung möglich, bei rechtzeitiger Behandlung kann das Pferd jedoch oft als Reitpferd erhalten bleiben, auch wenn das Gangbild anders ist wie bei einem gesunden Pferd.

Die Dauer der medikamentösen Therapie in Form von entzündungshemmenden und abschwellenden Medikamenten ziehen sich oft über Monate hin. Es dauert oft ein Jahr und länger, bis solche Pferde dann auch wieder reitbar sind. In dieser Zeit braucht das Pferd dann konsequentes Bewegungstraining, das oft mit Vitaminen und Präparaten zum Muskelaufbau ergänzt wird. Durch Training an den Stangen lernen die Pferde, ihre Bewegungen wieder zu koordinieren. Empfohlen wird auch immer wieder die Aqua-Therapie. Hier bewegen sich die Tiere in einem Wassertank, dadurch können deutlich besser Muskeln aufgebaut werden und eine allgemeine bessere Mobilität erreicht werden. Man geht davon aus, dass durch das Einsetzen der Beine unter Wasser, die ja ein starkes Aufwölben der Rückenmuskulatur nach sich zieht, Bandscheiben entlastet und unter Umständen sogar eingeklemmte Nerven wieder frei gelegt werden können.

Verletzungsbedingte Ataxien lassen sich oft leider nicht vermeiden. Man sollte jedoch in seinem Umgang mit seinem Pferd stets überlegen, ob bestimmte Dinge, wie z. B. Ausritte im Winter auf eisglatten Strecken, sein müssen. Um einer Ataxie vorzubeugen, sollte man einfach vermeidbare unfallträchtige Situationen gar nicht erst entstehen lassen. Dazu gehören große Boxen ebenso wie die Zusammenstellung der Pferde-Gruppen auf der Weide es sollte zu möglichst wenig Auseinandersetzungen kommen.

Wessen Pferd an Ataxie erkrankt ist, sollte es nicht gleich aufgeben. Viele Tierärzte raten zur gründlichen Untersuchung und anschließender Behandlung, da es oft gelingt, den Zustand der Pferde durch vorsichtiges, konsequentes Training zu stabilisieren. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass nur durch Geduld und Konsequenz in der Behandlung eine Verbesserung erreicht werden kann.

Warenkorb
Artikel:0
Warenwert:0,00 €
Warenkorb