Borreliose
EntstehungMitte der 70er Jahre zeigte sich bei Einwohnern von Lyme in Connecticut/USA eine Häufung von ungewöhnlichen arthritisähnlichen Erkrankungen. Wie sich später herausstellte, wurde diese Krankheit durch Spirochäten (Schraubenbakterien) übertragen.
Die Hauptüberträger der Lyme-Borreliose sind Zecken, die sich mit Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii oder Borrelia afzelii infiziert haben. Aber auch Insekten können diese Krankheit übertragen.
Die Symptome sind sehr unterschiedlich, so dass man bei Borreliose auch von einem Chamäleon spricht. Teilweise kann es Monate dauern, bis sich typische Symptome manifestieren. Dadurch wird die Krankheit oft erst im chronischen Stadium erkannt.
Symptome
Mögliche Symptome der Borreliose sind:
- Muskelverspannungen
- Wechselnde Lahmheiten
- Div. Hautveränderungen
- Div. Augenerkrankungen
- Abmagerung
- Koliken
- Infektionsanfälligkeit
- Entzündungsanfälligkeit der Haut
- Erhöhte Allergiebereitschaft
- Headshaking
- Ataxien
- Huflederhautentzündung
- Hufrehe
- Verhaltensänderungen, wie Lethargie, Aggressivität usw.
- Organerkrankungen
Verlauf der Krankheit
Die drei Arten Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii und Borrelia afzelii weisen unterschiedliche genetische Eigenschaften auf. So verursacht B. garinii mehr Neuroborreliosen, B. afzelii mehr Hautmanifestationen und B. burgdorferi Arthritis. Sehr gerne verbindet sich auch Borna mit Borreliose und Herpes. Somit entstehen die Lyme-Borreliose-Borna-Kombi oder die Lyme-Borreliose-Borna-Herpes-Kombi. Hierauf sollte stets bei einer Therapie geachtet werden, da sich die Symptome oft vermischen, so dass die einzelnen Krankheiten oft nicht getrennt werden können.
Der Verlauf von Borreliose kann grundsätzlich in drei Stadien eingeteilt werden:
1. Stadium: Lokale Infektion
Während des ersten Stadiums ist es kaum möglich, Antikörper oder Erreger im Blut festzustellen. Daher sollte man gut auf mögliche Symptome achten.
2. Stadium: Streuung des Erregers
Im zweiten Stadium kommt es zur Streuung des Erregers über die Blut- und Lymphbahn. Dadurch können Symptome wie Fieber, Muskel-, Gelenkschmerzen, Abmagerung usw. auftreten. Die Borrelien beginnen damit, auf die Gelenke, das Herz und das Nervensystem überzugreifen.
3. Stadium: Der Erreger setzt sich fest
Eine Behandlung bzw. Heilung mit Antibiotika ist hier kaum noch möglich, da sich die Erreger im gesamten Körper verteilt und festgesetzt haben. Sie treten nur noch in Zyklen auf und verstecken sich während der Antibiotikabehandlung in den Zellen.
Diagnose
Es gibt verschiedene Tests, um Borrelien nachweisen zu können. Ist die Zecke noch vorhanden, so kann das Erbgut des Erregers in der Zecke nachgewiesen werden. Dies geschieht durch die Vermehrung der Borrelien-DNA per Polymerase-Ketten-Reaktion. Anschließend wird die DNA durch Hybridisierung an hochspezifischen Gensonden nachgewiesen.
Ist die Zecke nicht mehr auffindbar, so stehen weitere Tests zur Verfügung:
ELISA-Test
Hierbei werden Antikörper im Blut oder im Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) bestimmt. Dieser Test ist allerdings oft nicht sensitiv genug, da die Borrelien in der Lage sind, sich an Körperzellen anzuheften oder sich in den Zellen zu verstecken und dann nicht von der Immunabwehr erkannt werden. Somit werden auch keine Antikörper gegen die Borrelien gebildet.
Anzucht
Eine direkte Anzucht (Kultur) des Erregers gelingt fast nie und das Ergebnis liegt erst nach Wochen vor.
Nachweis von VlsE-Antikörpern
Es handelt sich hier um einen sensitiven und spezifischen Test, der das Borrelien-Antigen VlsE (variable major proteinlike sequence, expressed) mit einbezieht. Dieses VlsE befindet sich auf der Oberfläche der Borrelien und wird von diesen ständig verändert, um der Erkennung und Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen.
Westernblot
Hierbei handelt es sich um einen Immunblot, dessen Ergebnis dann als positiv zählt, wenn Antikörper gegen mindestens zwei hochspezifische Proteine nachgewiesen werden, die sich an der Oberfläche der Borrelien befinden.
Je nach Art der Borrelien (B. burgdorferi, B. afzelii oder B. garinii) bilden sich Antikörper mit verschiedenen Bandenkombinationen.
LTT
Beim Lymphozytentransformationstest, kurz LTT werden die gegen die Borrelien sensibilisierten T-Zellen (bestimmte Immunzellen) nachgewiesen. Da diese T-Zellen nur bei einem direkten Kontakt mit Borrelien sensibilisiert werden, ist dieser Test hochspezifisch.
Weitere Tests sind der Immuntoleranztest, der Störungen der Immunregulation untersucht oder der CG57-Test bei chronischer Lyme-Borreliose, bei dem die Zahl der Natural-Killer Zellen erfasst wird, deren Anzahl bei chronischer Borreliose oft zu gering ist.
Therapie
Borrelien verteilen sich extrem schnell im gesamten Blutkreislauf. Bereits im Frühstadium sollte daher Antibiotikum in voller Dosis gegeben werden. Borrelia burgdorferi enthält Betalactamasen, die Resistenzen gegenüber Cephalosporin und Penicillin verleihen können. Dieses langsam arbeitende Enzymsystem kann aber per höherer oder lang andauernder Antibiotikaspiegel überwunden werden, z. B. mit einer Dauerinfusion (Cefotaxim) oder mit Depotpräparaten (Benzathin-Penicillin). Sollten Penicillin und Cephalosporin fehlschlagen, so könnten aber auch Sulbactam/Ampicillin, Imipenem oder Vancomycin Abhilfe schaffen, da diese Antibiotika an anderen Zellwandbausteinen ansetzen.
Leider können sich die Borrelien in den Zellen verstecken und dort überleben. Sie besitzen eine Generationszeit von ca. vier Wochen. Einmal im Monat vermehren sich die Borrelien. Da Antibiotika nur während der Wachstumsphase greifen, sollte die Therapie mindestens vier Wochen andauern. Wird die Behandlung zu früh abgebrochen, so wird das Pferd nicht gesunden, die Symptome werden sich sogar verschlechtern. Die Therapiedauer sollte außerdem vom aktuellen Stadium der Erkrankung abhängig gemacht werden. So sollte die Behandlungsdauer im Frühstadium ca. vier bis sechs Wochen umfassen und im Spätstadium mindestens vier bis sechs Monate. Je nachdem wie das Pferd auf eine Therapie anspricht ist diese individuell nach den entsprechenden Bedürfnissen auszurichten.
Die Pferdeverdauung reagiert leider oftmals sehr sensibel auf die Gabe von Antibiotika. Somit kann es schnell zu Resistenzen und Nebenwirkungen kommen. Daher sollten auch Darmflora-fördernde Maßnahmen ergriffen werden.
Äußerste Vorsicht ist bei Kortison geboten! Bei Pferden mit Borreliose, Herpes oder Borna verstärken sich die Symptome nach der Gabe von Corticoiden, da hier das Immunsystem kurzzeitig gehemmt wird und die Borrelien noch besser zuschlagen können.
Neben der Behandlung mit Antibiotika sollte aber vor allem auch das Immunsystem stimuliert und evtl. auch Mittel zum Schutz der Gelenke verabreicht werden. Dies kann auch durch Alternativmedizin geschehen, wie Akupunktur oder die Gabe von Kräutern. Hierfür eignen sich beispielsweise die Kräutermischungen Fit und aktiv, die u. a. Weidenrinde, Brennesselblätter und Mädesüßblätter enthält und hilft, die Gelenke zu schützen oder Digestiv-Formula, die u. a. Fenchel, Eibisch, Pfefferminze und Kümmel enthält und somit ein verdauungsregulierendes sowie schleimhautschützendes Magenmittel darstellt oder Winnie`s Best Mix, die mit Löwenzahn, Brennessel, Klebkraut, Birkenblätter, Weißdorn und vielem mehr den Stoffwechsel in Schwung bringt und die Vitalität erhöht. Aber auch die Teufelskralle lindert Schmerzen, Gelenkentzündungen und rheumatische Erkrankungen.
Die Magnetfeldtherapie kann für chronisch zurückbleibende Schäden sehr sinnvoll sein. Falls noch aktive Erreger im Pferd nachweisbar sind, ist hier aber Vorsicht geboten, denn die Infektion könnte hierbei erneut aufflammen.
Besonders wichtig sind aber wiederholte Bluttests, um die Wirksamkeit der Therapie kontrollieren zu können.
Vorbeugung
Bei vielen Tierärzten kann man so genannte Zecken-Repellents kaufen, die auf gefährliche Stellen aufgetragen werden (unterer Beinbereich, Fesselbeuge, unter den langen Haaren des Kronrandes, im Bereich der dünnen Haut zwischen den Hinterbeinen usw.) und die Zecken abhalten.
Junge Zecken werden leicht übersehen. Sie sind nur etwa so groß wie Mohn-Körner und auch genauso dunkel gefärbt.
Je früher eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Beim Entfernen der Zecke ist eine Zeckenzange zu verwenden. Bitte nicht drehen, sondern nur ziehen. Auf keinen Fall Mittel, wie Alkohol, Nagellackentferner usw. verwenden, da die Zecke hier erst recht ihren Mageninhalt in das Blut des Pferdes spuckt.