Das Equine Metabolische Syndrom (EMS)
EMS ist eine Erkrankung des Energie- bzw. Zuckerstoffwechsels, die häufig bei Pferden im Alter zwischen 8 und 18 Jahren auftritt und auch als sog. „Wohlstandskrankheit“ bekannt.
Symptome und Kennzeichen
Mögliche Symptome von EMS sind:
- Übergewicht
- Übermäßige Fettablagerungen im Nacken-, Schulter- und Kruppenbereich
- Insulinresistenz
- Hufrehe
- Leichtes Schwitzen
- Lethargie
- Schlechte Bemuskelung
- Schwaches Immunsystem
Zu Beginn äußern sich die Symptome nur schleichend. Sie können bereits seit längerer Zeit bestehen, bevor sie überhaupt erst sichtbar werden.
Verlauf der Krankheit
Durch die Nahrungsaufnahme steigt der Zucker im Blut an. Die Bauchspeicheldrüse reagiert darauf, indem sie das Hormon Insulin produziert, das wiederum die Aufnahme des Zuckers aus dem Blut durch Zellen von Organen, wie Leber, Muskeln aber auch Speichergewebe, wie dem Fettgewebe bewirkt. Der Blutzuckerspiegel sinkt.
Bei einem Pferd, das an EMS erkrankt ist, fungieren spezielle Fettgewebe als Hormondrüsen. Ihre Hormone bewirken, dass die Zellen der Organe, die nach der Aktivierung durch Insulin den Zucker im Blut abbauen sollten, kaum noch auf das ausgeschüttete Insulin ansprechen und keinen Zucker verbrauchen. Damit steht ihnen auch weniger Energie zur Verfügung.
Der übrige Zucker wird daher zum Großteil vom Fettgewebe aufgenommen, abgespeichert und in Fett umgewandelt.
Der Blutzuckerspiegel im Körper des Pferdes bleibt aber ständig erhöht, worauf die Bauchspeicheldrüse wiederum mit einer vermehrten Ausschüttung von Insulin reagiert. Ein Teufelskreislauf entsteht, der Zustand der Insulinresistenz ist erreicht.
Viele Gewebe, v. a. Blutgefäße reagieren außerdem sehr schlecht auf die Überlastung des Körpers mit Zucker bzw. Insulin und werden teilweise sogar geschädigt. Man spricht hier von Glukotoxizität.
Durch die gestörte Versorgung mit Glukose, d. h. Zucker werden u. a. Zellen, wie die Huflederhaut geschädigt. Es entsteht Hufrehe. Bereits kleine Auslöser, wie z. B. Futterumstellung oder nur wenig Fruktan können diese nun beim kranken Pferd auslösen.
Diagnose
Es gibt verschiedene Tests, um EMS nachweisen zu können.
1. Der Glukose-Toleranz-Test
Vor diesem Test muss das Pferd einige Stunden hungern. Danach wird der Glukose- sowie Insulinwert gemessen. Nach Verabreichung einer definierten Menge an Kraftfutter erfolgt eine erneute Messung dieser Werte.
Das Problem bei diesem Test ist, dass er bei nur leicht erkrankten Pferden keine sicheren Ergebnisse liefert, da er nicht genau genug ist.
2. Eine sehr genauer Test hingegen ist der Kombinierte Glukose Insulin Test (CGIT)
Hierbei ist kein vorheriges Hungern des Pferdes erforderlich. Es darf nur die Nacht vorher kein Kraftfutter bekommen und hat Weideverbot. Heu kann es dagegen gerne verabreicht bekommen.
Gemessen wird hier nur der Glukosewert. Danach wird eine definierte Menge Glukoselösung gegeben sowie Insulin intravenös verabreicht. Über die folgenden zwei Stunden wird nun der Verlauf des Blutzuckerspiegels verfolgt.
Bei gesunden Pferden ist dabei Vorsicht geboten. Die Insulinspritze kann bei diesen nämlich zu Unterzucker führen. In diesem Fall ist der Test sofort abzubrechen und Glukose zu verabreichen.
Eine Insulinresistenz liegt vor, wenn der Blutzuckerspiegel 45 Minuten oder länger über dem Ausgangswert verbleibt.
Bei allen Tests ist es enorm wichtig, dass die Blutproben sofort zentrifugiert, eingefroren und ins Labor verschickt werden, da die Werte ansonsten verfälscht würden.
Normwerte:
Insulin = 70–140 pmol/l; kann bei EMS über 300 pmol/l ansteigen
Glukose = 55–95 mg/dl; ist zumeist leicht erhöht: liegt bei EMS zumeist bei 110 - 140 mg/dl
Behandlung
Die Therapie bei Insulinresistenz ist äußerst problematisch und schwierig. Metformin soll z. B. die Insulinsensitivität steigern.
Am wichtigsten ist jedoch, dass die Futter- und Nährstoffzufuhr dem Bedarf und der Bewegung des Pferdes angepasst werden. Die schädlichen Fettdepots müssen abgebaut werden, damit sie keine weiteren Hormone mehr ausschütten können.