Husten/Bronchitis
Husten gehört bei Pferden zu den häufigsten Erkrankungen und kann unterschiedlich Ursachen haben. Es handelt sich hierbei um eine reine Schutzfunktion: Das Einatmen von Fremdpartikeln (Staub, Reizgase, Pollen etc.) soll verhindert werden. Gleichzeitig wird der Abtransport von Schleim erleichtert. Husten entsteht durch die Reizung von Nerven. Liegen diese Nerven blank, wie bei einer Schädigung der Schleimhaut, so können bereits geringe Reize den Husten auslösen.
Die Ursachen von Husten können viraler, bakterieller oder physikalischer Natur sein. Selten wird Husten durch eine Infektion mit nur einem Erreger verursacht. Meist spielen hier auch nichtmikrobielle Faktoren eine Rolle, die bei der heutigen Pferdehaltung stets allgegenwärtig sind.
Arten von Husten
Flacher Husten
Die Auslöser sind meist nicht infektiös, wie RAO oder IAD (s. unten) oder eine Kehlkopfreizung.
Harter und bellender Husten
Hier sind meist bakterielle oder virale Infektionen die Auslöser. Aber auch Lungenwürmer, natürliches Verschlucken, Schlundverstopfung oder eine Funktionsstörung des Kehlkopfes können einen solchen Husten verursachen.
Husten als Infektionskrankheit
Die wichtigsten Infektionserreger hierbei sind Herpes- und Influenzaviren, daher ist eine Impfung gegen diese beiden Krankheiten sehr wichtig, da die Viren durch die gestärkte Immunität weniger Chancen erhalten, sich zu manifestieren. Begleiterscheinungen sind oft Fieber und Nasenausfluss.
WICHTIG: Sofort den Tierarzt konsultieren!
Folgt auf die virale Infektion eine bakterielle Infektion, so ist das der Übergang von der akuten zur chronischen Erkrankung.
Erkrankte Pferde sind bis zur vollständigen Genesung zu schonen und brauchen nach erfolgter Heilung noch mind. 3 Monate, um ihre volle Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.
Nichtinfektiöser Husten / Bronchitis
Häufige Auslöser für Husten können auch Stresssituationen sein. Pferde sind sehr stressanfällig und reagieren durch sog. Stressoren mit Minderung der Immunabwehr. Meist handelt es sich bei nichtinfektiösem Husten aber um chronisch-obstruktive Bronchitis (COB, COPD). Dieser Begriff wird allerdings nicht mehr verwendet. Man unterscheidet heute zwischen RAO und IAD:
RAO (Recurrent Airway Obstruction) = Wiederkehrende Atemwegsobstruktion
Eine wichtige Komponente ist hier eine Allergie, z. B. gegen Schimmelpilzsporen in Heu und Stroh. Dabei dient als Auslöser schon eine sehr geringe Menge.
Die zweite Komponente ist unspezifisch. Es erfolgt hier eine Reaktion auf Staub oder Reizgase, z. B. im Heu oder Stall. Durch das Einatmen von Staub schließen sich die kleinen Atemwege. Im fortgeschrittenen Stadium entsteht somit eine chronische Bronchitis.
Das erste Anzeichen hierfür ist das Abhusten zu Beginn der Arbeit und Leistungseinschränkung, die nicht erklärt werden kann.
Es sollte hier eine klinische Untersuchung durch Abhören und Bestimmung der Hustenfrequenz erfolgen. Verstärkt sich der Verdacht auf Bronchitis, so können weiterführende Maßnahmen, wie die Tracheobronchoskopie (Spiegelung), eine Blutgasanalyse und/oder eine Untersuchung von Schleimproben aus der Luftröhre erfolgen.
IAD (Inflammatory Airway Disease) = Entzündliche Atemwegserkrankung
Diese Erkrankung betrifft die meisten hustenden Pferde im Stall. Hierbei fällt die allergische Komponente der RAO weg und es bleibt nur die unspezifische Komponente.
Behandlung
Neben der Konsultierung des Tierarztes sind auch andere oft wichtige Maßnahmen zu ergreifen, wie die Vermeidung von Staub und Reizgasen. Der Stall sollte gut belüftet, die Einstreu so oft wie möglich gewechselt werden, damit sich kein Ammoniakgeruch bildet. Das Heu ist zu nässen bzw. es kann auch Silage verfüttert werden.
Anders als bei infektiösem Husten sind Pferde mit Bronchitis häufig zu bewegen und auch soweit zu arbeiten, wie es ihnen möglicht ist.
Ferner werden oft Arzneimittel zur Entspannung der Bronchialmuskulatur, Schleimlösung und Abschwellung der Schleimhaut verabreicht. Sehr sinnvoll kann es aber auch sein, die Lungenfunktion durch die Zufütterung von Kräutern zu unterstützen. Hierfür eignen sich besonders die Kräutermischungen „Lungenwohl“ oder „Frischer Atem“, denn sie enthalten u. a. Thymian, der stark schleimlösend wirkt und damit das Abhusten erleichtert, so dass sich bald ein freieres Ein- und Ausatmen einstellt.